02/06/2022

MOIN! in Cannes – kleine Eier im Silbersack

Der weiße Mann von der Hamburger Filmförderung – Teil II

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund hat in Cannes zum zweiten Mal die goldene Palme gewonnen. Triangle Of Sadness heißt das Werk, das nach The Square zu dieser Ehre kam.

Der weiße Mann von der Hamburger Filmförderung hatte rechtzeitig eine Wette abgeschlossen und hat den aktuellen Film von Östlund mit satten 150.000.-€ gefördert, um in Cannes in der ersten Reihe zu sitzen – als Zuschauer. Die Budgetangaben im Netz reichen von 11 bis 15 Millionen. 1 % der Gesamtfördersumme hat der exklusive Kino-Sitz-Furz gekostet. Östlund musste im Gegenzug einen Teil der Postproduktion einem Team aus Hamburg anvertrauen. Vielleicht durften sie den Abspann erstellen – vorstellbar ist das. Iris Berben war das erste Mal mit diesem Film im Wettbewerb von Cannes vertreten. „In den Wolken“ – das ist das gesamte Textvolumen, das sie über den ganzen Film verstreut, in einem Rollstuhl sitzend, wiederholt. Derweil textet der NDR, so ganz hamburgvergessen, wie er nun mal ist: „Hamburger Film „Triangle of Sadness holt Goldene Palme“. Da kann man wirklich nur sagen: Alter Schwede. Es wird ohnehin gemunkelt, dass die deutschen Entsandten des Filmgeschäfts sich gerne in ihren Zelten selbst feiern, weil es für sie in Cannes nichts zu bestellen gibt. Dann muss man eben selber Hand anlegen, um Spaß zu haben.

Der Filmkritiker Daniel Kothenschulte zieht ein Resümee in der Berliner Zeitung als er von Cannes nach Deutschland zurückkehrt: „Das deutsche Kino steckt derweil inmitten einer künstlerischen Krise. Vielleicht könnte die dauerhafte Cannes-Abstinenz endlich zu einer dringend nötigen Debatte führen – über jenen Teil der Kunst, den Geld nicht kaufen kann.“ PUNKT.

Bei dem albersverwirrten NDR klingt das so: In der Weltpremiere zu Östlunds Satire „Triangle of Sadness“ gab es die meisten Lacher aller Filme im Wettbewerb. Ein Film mit „vielen wunderbaren Ideen“, so Albers. Bemerkenswert sei etwa der Zitate-Battle und die Idee, sich als Mann für Salzstangen zu prostituieren. „Das Verdrehen von Rollen, diese Überzeichnung ist extrem zeitgeistig, lustig, intelligent und groß gedacht. Das ist ein toller Film. Ich bin mir sicher, dass er gut funktionieren wird.“ Ich frage mich, wie lange Albers noch in Hamburg funktionieren darf. Mir gehen auch die negativen Adjektive für diesen Mann aus. Deutsche Filmförderung – Wir haben ein Problem. Übernehmen Sie!

Der weiße Mann von der Hamburger Filmförderung – Teil I > hier

©2022Text & 2020 Bildrechte | Carsten Aschmann, VG Bild-Kunst

1 Comment

  • Lieber Carsten, lass mich deinen wunderbaren Beitrag um ein paar Fragen ergänzen:

    Musste Ruben Östlund auch die moin-Diversity-Check-Liste ausfüllen? Siehe Rollenbesetzung bei Triangle Of Sadness.
    Albers Analyse der „bemerkenswerten“ Szene, in der ein Mann sich für Salzstangen prostituiert, diese als „Verdrehen der Rollen“ zu hypen… zeigt, wie verkürzt sein Blick auf unsere Gesellschaft ist. Gibt es in Deutschland keine männliche Prostitution? Oder sind hier die Salzstangen als Penisse zu verstehen?

    Ich freue mich so sehr auf den Film. Die Freude kann mir auch Albers Eiertanz nicht versalzen.

    Agnieszka

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